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Weil Feminismus mehr braucht als Rosen am 8. März!

Am Mittwoch ist es wieder soweit. Seit 1921 ist jedes Jahr am 8. März "Internationaler Weltfrauentag“.
Zum ersten mal wurde der Weltfrauentag 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz durch Clara Zetkin ins Leben gerufen. Die damalige zentrale Forderung war das allgemeine, gleiche und freie Wahlrecht für Frauen.

Diese Forderung wurde in Deutschland am 12. November 1918 erfüllt. Doch das war zu recht kein Grund mit dem Streiten für feministische Forderungen aufzuhören. Durch die Gewährung des allgemeinen Wahlrechts für Frauen wurde zwar eine der zentralen Forderungen des Weltfrauentages erfüllt, allerdings wurde dieser somit nicht auch seiner Notwendigkeit entzogen. Es bedurfte weitere Jahrzehnte feministischen Streitens um viele andere rechtliche Diskriminierungen aufzuheben. Erst 1977 durften Frauen einen Beruf ohne die Erlaubnis ihres Mannes ausüben. Erst seit den 1970er Jahren ist Abtreibung in der BRD legal möglich. Erst 1997 wurde die Vergewaltigung auch in der Ehe strafbar. Weltweit gelten auch heute noch viele der in Deutschland bzw. in vielen europäischen Staaten erkämpften Rechte nicht.

Aber auch in Deutschland, wo das neoliberale „Gender Mainstreaming“ in (fast) jeder staatlichen Institution fest verankert ist, folgt aus einer rechtlichen Gleichheit noch lange keine tatsächliche Gleichheit.
Frauen* leisten immer noch ca. 80% der im Privaten und im Beruflichen anfallenden Care-Arbeit1. Männer* verdienen jedes Jahr immer noch ca. 22% mehr als Frauen2. Mädchen ist immer noch verbunden mit süß, brav, rosa. Frauen und Männer werden immer noch als natürliche, einheitliche und klar voneinander verschiedene Gruppen verstanden. Geschminkte Männer in Röcken, die in der Öffentlichkeit weinen und sich von einer Frau beim Tragen von schweren Gegenstände helfen lassen dürfen, sind immer noch genauso marginalisiert wie selbstbewusste Frauen die offen unbequeme Positionen vertreten und deshalb nicht als „nervige Zicken“, sondern als starke Persönlichkeiten, wahrgenommen werden. Daraus wird sehr schnell deutlich, dass - trotz vieler Jahrzehnte feministischer Kämpfe, Politik und Forschung – Feminismus auch heute noch notwendig ist.

Daher kann und darf Feminismus nicht nur am Weltfrauentag stattfinden, sondern muss sich als eine beständige feministische Praxis etablieren. Eine solche feministische Praxis muss Räume schaffen, in denen sich Menschen aufgrund ihres gemeinsamen Interesses, der Kritik am Patriarchat, versammeln und über feministische Theorie und die Frauenbewegung(en) diskutieren können. Aktuell plant der AStA der TU Darmstadt eine feministische Tagung mit Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion zum Thema "Materialistischer Feminismus, Identität und Subjektivität". Diese soll im Sommer über zwei Tage stattfinden. Zudem findet regelmäßig ein feministischer Lesekreis statt, in dem wir uns inhaltlich zurzeit auf die Tagung vorbereiten3. Kommt vorbei!

Darüber hinaus müssen umfassendere Anti-Diskriminierungsstrategien erarbeiten werden. Vergeschlechtlichte Institutionen, wie nach Geschlechtern getrennte Toiletten, welche als solche auf eine angebliche Natürlichkeit von Geschlecht verweisen, müssen abgeschafft werden!
Uns ist es wichtig einen starken Begriff des Feminismus selbst zu erarbeiten. Feminismus muss nicht, ohne dabei über exkludierende Momente hinwegtäuschen zu wollen, um Adjektive wie antirassistisch, antikapitalistisch etc. ergänzt werden, sondern ist dies notwendig aufgrund seines emanzipatorischen Anspruchs. Dieser Anspruch muss verstärkt (re)formuliert werden.

Lasst uns Feminismus also nicht zu einer Bedrohung machen4, sondern durch feministische Praktiken neue Räume schaffen, die allen Menschen offen stehen und Platz für Streit, Kritik und gemeinsames Arbeiten an feministischen Theorien und politischen Forderungen ermöglichen!

*Frauen bezeichnet als solche geschlechtlich diskriminierte Personen