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Yves Müller: Becoming Facists

Dienstag, 7. Juni 2022 - 19:00
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Yves Müller: »Becoming Fascists«
Faschismus und Männlichkeit in der Sturmabteilung (SA) im Krieg zwischen den Kriegen

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Der Faschismus erklärte »Maskulinität zum Prinzip« (George L. Mosse) schlechthin. Doch wie wurde der Mann zum Faschisten? Dieser Frage soll anhand der nationalsozialistischen Sturmabteilung (SA), die von 1921/25 bis 1945 Bestand hatte, nachgegangen werden. Die SA war das zentrale Instrument der Propaganda der Nationalsozialisten und ein bedeutender Gewaltakteur im ›Nachkriegskrieg‹ mit seinen teils bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Als wichtigste
Organisation der NS-Bewegung in der ›Kampfzeit‹ bildete die SA verschiedene Motive aus, die auf eine Verlängerung des Krieges abzielten: der gefallene SA-Mann als Fortführung des Heldenepos vom ›unbekannten Soldaten‹ ist nur eines davon. Doch dieser Rückgriff auf Bilder von Kampf und Kameradschaft war nicht bloße Propaganda, nicht Mittel zum Zweck. Er diente der Aufrechterhaltung der Geschlechterdichotomie und der Heroisierung des Mannes als Bestandteil der nationalsozialistischen ›Volksgemeinschaft‹. Die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg, die Ereignisse der Novemberrevolution und die Weimarer Demokratie beförderten eine ›Krise dieser Männlichkeit‹ und die Re-Souveränisierung soldatischer Männlichkeit. Nach der Machtübernahme fungierte die SA als wichtige Gewaltinstanz der Herrschaftsetablierung. In dem Vortrag werden
Märtyrerkult, Kameradschaftsmythos und männliche Selbstinszenierung als ›politische Soldaten‹ am Beispiel von Parteipropaganda, SA-Roman und -Film aufgezeigt.

Yves Müller ist Historiker und promoviert an der Universität Hamburg.