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MEDIEN UND MEINUNG: Roger Behrens: Medienkommunikation und Kommunikationsmedien - Eine Kritik

Aufzeichnung: 
Montag, 27. April 2015 - 18:30
Ort: 
Schlosskeller Darmstadt

Medienkommunikation und Kommunikationsmedien
Eine Kritik

Dass Menschen kommunizieren ist common sense; absurd erscheint die allgemeine Behauptung, es gebe keine Kommunikation. Dennoch hat das, was in welchem Sinne auch immer »Kommunikation« genannt wird, in der Neuzeit eine Verschiebung erfahren, die den Charakter menschlichen Miteinanders, ja grundsätzlich die soziale Verhältnisse, nachhaltig verändert hat, wonach »Kommunikation« überhaupt erst als historische Invariante verstanden werden kann.
Spätestens seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wird »Kommunikation« zu einer Sozialtechnologie, bei der es um mehr geht als bloß Verständigung, Mitteilung, Sprechen. Die technischen Entwicklungen, die mit dem Schlagwort »Medien« gefasst werden, haben daran einen erheblichen Anteil; als selbstverständlich gilt, dass es zwischen »Kommunikation« und »Medien« eine Rückkopplung gibt. Was früher noch kritisch gesehen wurde, wird heute blind akzeptiert, wenn nicht euphorisch überaffirmatiert.
Kommunikation ist zum Imperativ geworden, zur Verpflichtung: »Wir müssen reden!« – Dass die Komplexion von »Wir«, »Müssen« und »Reden« dabei durch die jeweils neueste Medientechnik gefiltert ist, erscheint unabdingbar. Die Medien funktionieren als Dispositive technologischer Rationalität, mit der die sozialen Verhältnisse als Kommunikationsverhältnisse ohnehin vermittelt sind.