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Autonome Tutorien im Wintersemester 2026/27

Liebe Kommiliton:innen,

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auch für dieses Semester haben sich einige eurer Mitstudent:innen wieder die Mühe gemacht, sich in verschiedene Fragestellungen und Themenkomplexe einzuarbeiten und diese nun wöchentlich als Autonomes Tutorium anzubieten.

Für euch also die sehnlichst vermisste Gelegenheit, endlich den Anschluss an heiß diskutierte Debatten zu finden, endlich ein tieferes Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft zu erarbeiten, endlich die von verschulten Modulplänen ausgesparten Ansätze zu ihrem Recht zu bringen und endlich Einsichten zu gewinnen, die ihren Zweck nicht in bestandenen Klausuren erschöpfen.
Autonome Tutorien widmen sich Themen, die im straffen Lehrplan der Form und dem Inhalt nach keinen Platz finden. Sie bieten die Möglichkeit, eigenen wissenschaftlichen Interessen ungezwungen nachzugehen und sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen. Das ist angesichts des stetigen Drucks im Studienalltag zwar leider häufig kaum möglich, der Erfahrung nach finden sich in den Tutorien aber dennoch viele Studierende ein, denen das Thema am Herzen liegt und die die Zeit und Muße mitbringen, sich der Sache aufmerksam zu widmen. Und gerade bei schwierigeren Themen werden Wissenshierarchien nicht gegeneinander ausgespielt, sondern alle Teilnehmer:innen mit einbezogen.

Solltet ihr an einem der geplanten Termine keine Zeit haben, meldet euch gerne bei den Leiter:innen des Tutoriums. Manchmal ist eine Terminänderung in Absprache mit den Teilnehmer:innen möglich. Auch ein späterer Einstieg ist kein Problem.

Wir hoffen auf reges Interesse und freuen uns auf eure Teilnahme!

             

Wie nehme ich an einem Autonomen Tutorium teil?

  • Um an einem Tutorium teilzunehmen, könnt ihr einfach zur ersten Sitzung erscheinen.
    Solltet ihr später dazustoßen, meldet euch am besten kurz per Mail unter der aufgeführten Adresse, dann bekommt ihr das Diskussionsmaterial und erfahrt auch, ob es Änderungen hinsichtlich Raum oder Zeit gab.
  • Die Tutor:innen stellen die Textgrundlagen und anderes Material zur Verfügung.
  • Die Tutorien beginnen in der Woche zum 26. Oktober und finden dann wöchentlich statt.
    Normalerweise wieder am Campus Stadtmitte, in Ausnahmen auch per Videokonferenz oder hybrid.
  • Über Mailverteiler oder Messenger bleibt ihr für alle weiteren Absprachen in Kontakt.
             

Solltet ihr allgemeine Fragen zum Projekt haben, schreibt uns gerne an , bei Fragen zu den einzelnen Tutorien, schreibt den jeweiligen Tutor:innen einfach direkt.

Ihr möchtet selbst ein Tutorium anbieten? Gegen Ende der Vorlesungszeit wird eine Bewerbungsfrist durch Aushänge, über Mailverteiler und auf den Webauftritten des AStA bekanntgegeben. Die eingereichten Konzepte werden dann anonymisiert und von einer vom AStA gestellten Auswahlkommission diskutiert und ausgewählt. Alle weiteren Informationen dazu findet ihr auf unserer Übersichtsseite zur Ausschreibung.

Die Tutorien:

Der Wert der Privatheit im digitalen Raum

Der Wert der Privatheit im digitalen Raum und neue Formen der Öffentlichkeit in Zeiten von KI In diesem Autonomen Tutorium beschäftigen wir uns damit, wie Digitalisierung und Künstliche Intelligenz das Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit verändern. Automatisierte Systeme erfassen, verarbeiten und speichern immer mehr Informationen, sodass Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Daten zunehmend verschwimmen.

Gemeinsam diskutieren wir wissenschaftliche Perspektiven auf das Verhältnis von Privatheit und Öffentlichkeit. Dabei können unter anderem folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Welchen Wert hat Privatheit im digitalen Raum? Welche Risiken entstehen durch ein verändertes Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit? Welche Handlungsspielräume eröffnen oder verschließen sich dadurch? Die genannten Fragen verstehen sich dabei ausdrücklich nicht als abschließend. Die thematischen Schwerpunkte dieses Tutorims können zu Beginn des Semesters gemeinsam entwickelt werden.

Kontakt: Christian (christianjohann.winkler[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Montag, 14:25
Erste Sitzung: 26.10.
Raum: S1|02/244

 

Rot or Not? A Discussion of the Effects of AI on Language and Cognition

Have you been hearing the words ‘delve’, ‘quiet’, or ‘genuinely’ everywhere of late? Do you immediately think of generative AI when an Instagram caption has too many em-dashes? Have you been feeling like people have started to talk like AI now?

This tutorial aims to evaluate these observations and reflect on the wider implications for critical thinking and communication in our age of AI. Through discussions, demos, and small hands-on exercises (no prior technical knowledge required), we can explore together how language shapes thought, how AI is changing the way we write, speak, and understand each other, what all this might be doing to our cognition, and what we can do about it.

Kontakt: Ananda (ananda.rotornot[at]gmail.com)
Termin: Montags 14:25
Erste Sitzung: 26.10.
Raum: S1|02/330

 

Das Scheitern der Befreiung

Die Russische Revolution war der wohl aussichtsreichste Versuch, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Doch statt der erhoffen Befreiung brachte sie ein Regime hervor, dessen Gewalt sogar die des Russischen Kaiserreichs in den Schatten stellte. Wer am Ziel einer befreiten Gesellschaft festhält, wird sich daher unweigerlich fragen: Warum und woran ist die Russische Revolution gescheitert und was können wir daraus lernen?

Antworten auf diese Fragen finden wir bei der polnischen Sozialistin Rosa Luxemburg, dem niederländischen Rätekommunist Anton Pannekoek, der Gruppe Internationaler Kommunisten, dem deutschen Anarchist Rudolf Rocker und dem russischen Sozialrevolutionär Isaak Steinberg. Gleichwohl haben auch sie ihre Schwächen. Das Autonome Tutorium soll daher im doppelten Sinne kritisch sein: kritisch gegenüber der Russischen Revolution, aber auch kritisch gegenüber denen, die sie kritisieren. Herzlich eingeladen sind alle Studierenden, die sich intensiv mit der Russischen Revolution und ihrem Scheitern beschäftigen wollen.

Kontakt: László (LaszloBoroffka[at]t-online.de )
Termin: Montags 16:15
Erste Sitzung: 26.10.
Raum: S1|02/244

Naturbeherrschung und Patriarchat: Die Bedeutung der älteren kritischen Theorie für eine materialistisch-feministische Gesellschaftstheorie

Bis heute ist die Kritische Theorie der Frankfurter Schule ein wichtiger Bezugspunkt für ideologie- und kapitalismuskritische Perspektiven auf Gesellschaft. Doch zum Thema Geschlechterverhältnisse oder gar Feminismus haben die alten weißen Männer rund um das Institut für Sozialforschung doch nichts zu melden gehabt — oder etwa doch? Auch wenn die Studierendenbewegung in ihrer Auslegung der Gesellschaftstheorie rund um Adorno, Horkheimer, Marcuse und Co. die Emanzipation von Frauen eher als ‚Nebenwiderspruch’ begriff, wurden Schlüsseltexte der Frankfurter Schule wie etwa die Dialektik der Aufklärung später für die Frauen-, sowie Geschlechterforschung relevant. Während anfangs vor allem die Aufdeckung von Leerstellen in Adornos und Horkheimers Texten herausgearbeitet wurde, änderte sich der Fokus zunehmend auf eine immanente Kritik und später zu einer produktiven Nutzung zwischen dem Zusammenhang von männlicher Subjektwerdung, patriarchaler Herrschaft, Naturverhältnissen und der Abwertung von Frauen.

Das Tutorium soll deshalb der Frage nachgehen, inwiefern die ältere Kritische Theorie für eine materialistisch-feministische Theorie fruchtbar gemacht werden kann und inwiefern sie dabei helfen kann, die Abwertung von Frauen in der bürgerlichen Ideologie zu verstehen. Nicht zuletzt steht auch die Frage im Raum, ob uns diese Einsichten dabei helfen können, die aktuelle autoritäre Formierung besser zu analysieren. Wir werden dazu gemeinsam Ausschnitte aus den Werken Dialektik der Aufklärung, der Minima Moralia, sowie Texten von Regina-Becker Schmidt, Gudrun-Axeli Knapp, Karin Stögner und Barbara Umrath lesen und diskutieren. Das Tutorium soll möglichst allen, unabhängig ihrer Vorkenntnisse die Teilnahme zu ermöglichen. Dafür wird es bei Bedarf zunächst einen Einführungsblock geben, indem wir klären, was die Frankfurter Schule eigentlich war.

Kontakt: Tim (timze[at]gmx.net)
Termin: Dienstags 13:30
Erste Sitzung: 27.10.
Raum: L4|02/204 !!!ACHTUNG!!!: Hier ist noch ein Wechsel zu einem Raum auf dem Campus Stadtmitte möglich. Aktuelle Infos findet ihr hier. !!!ACHTUNG!!!

 

Bring your Song! – Popmusik als Raum von Affekt, Identität und Auseinandersetzung

Was macht ein Lied politisch & was macht es mit uns? Im Tutorium untersuchen wir jede Woche zwei von Teilnehmenden mitgebrachte Songs. Dabei geht es nicht nur um Texte, sondern auch um Klang, Stimme, Körper, Performance, Musikvideos, Künstler*innenimages, Vermarktung und Rezeption. Mit Adorno, Butler, Ahmed, Illouz und Reckwitz fragen wir, wie Popmusik Identitäten, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Normen hervorbringt, wie Gefühle wie Wut, Trauer, Stolz oder Hoffnung zirkulieren und wie Authentizität, Widerstand und Verletzlichkeit zugleich gesellschaftlich wirksam und ökonomisch verwertbar werden können. Ziel ist ein kritisches, theoriegeleitetes Hören. Vorkenntnisse sind nicht nötig; willkommen sind Songs aller Genres, Sprachen und Jahrzehnte.

Kontakt: Kübra (kuebra.azeroth[at]stud.tu-darmstadt.de )
Termin: Dienstags 13:30
Erste Sitzung: 27.10.
Raum: L4|02/230 !!!ACHTUNG!!!: Hier ist noch ein Wechsel zu einem Raum auf dem Campus Stadtmitte möglich. Aktuelle Infos findet ihr hier. !!!ACHTUNG!!!

Wem gehört die Wissenschaft?

Als der Soziologe Robert K. Merton sich 1942 daran machte, das Ethos der Wissenschaft zu beschreiben, nannte er als eine der Normen dieses Ethos den „Kommunismus“: Wissenschaftliche Erkenntnisse gelten als Gemeingut und sollen offen mitgeteilt werden. Rund achtzig Jahre später verdichteten zwei Philosophen dies zu einem Slogan: Wissenschaftlich sein heißt kommunistisch sein. Wissenschaftlichkeit, so argumentieren Liam Kofi Bright und Remco Heesen, ist eine soziale Norm: Man übergibt seine Ergebnisse der Gemeinschaft zur Überprufung. Wenn sie Recht haben, dann hängt die Rationalitat der Wissenschaft davon ab, wie diese organisiert ist. Wie sollte sie also organisiert sein? In Form einer kooperativ erarbeiteten Enzyklopädie, wie Otto Neurath es vorschlug? Durch Selbstorganisation, wie es Michael Polanyis „Republik der Wissenschaft“ vorsieht? Zentralisiert, wie in W. E. B. Du Bois’ Forschungsprogramm gegen rassistische Vorurteile? Kann Wissenschaft wertfrei sein, und sollte sie es sein? Kann eine kognitiv vielfältige Gruppe eine Gruppe der Fähigsten übertreffen? Ist Peer-Review tatsächlich eine gute Idee? Und was ist von dem Vorwurf zu halten, ganze Disziplinen seien „politisiert“ worden?

In diesem autonomen Tutorium lesen wir jede Woche einen leicht zugänglichen englischsprachigen Text. Die Texte reichen von Klassikern bis zu aktuellen Arbeiten der Wissenschaftsphilosophie; außerdem behandeln wir einige überraschende mathematische Modelle wissenschaftlicher Gemeinschaften (keine mathematischen Vorkenntnisse erforderlich). Offen fur Studierende aller Fachbereiche. Keine Vorkenntnisse erforderlich; Diskussion auf Deutsch und/oder Englisch.

Whose science?

When the sociologist Robert K. Merton set out in 1942 to describe the ethos of science, one of the norms he named was “communism”: scientific knowledge is common property and should be openly shared. Some eighty years later, two philosophers sharpened this into a slogan: to be scientific is to be communist. The mark of science, Liam Kofi Bright and Remco Heesen argue, is a social norm: one submits one’s findings to the community for scrutiny. If they are right, then the rationality of science depends on how science is organised. So how should it be organised? Coordinated through an encyclopaedic collaboration of the kind envisioned by Otto Neurath? Self-organised, as in Michael Polanyi’s “republic of science”? Centralised, as in W. E. B. Du Bois’s research programme against racial prejudice? Can science be value-free, and should it be? Can a cognitively diverse group outperform a group of the most capable individuals? Is peer review actually a good idea? And what should we make of the accusation that entire disciplines have been “politicised”?

In this autonomous tutorial, we read one accessible English text per week. The readings range from classic works to contemporary texts in the philosophy of science; we also cover some surprising mathematical models of scientific communities (no maths prerequisites). Open to students from all departments. No prior knowledge required; discussion in German and/or English.

Kontakt: Alexander & Marius ( )
Termin: Dienstags 18:05
Erste Sitzung: 27.10.
Raum: S1|03/10

 

Präödipal, ödipal, postödipal? Feministische Perspektiven auf den freudschen Ödipus-Komplex

Debatten um Geschlecht, Begehren und Herrschaft haben nicht nur eine lange Tradition in der feministischen Bewegung und Theoriebildung, sie sind auch nach wie vor von brennender Aktualität. Warum begehren wir, wie wir begehren? Was haben Sozialisierung, Gesellschaft und Herrschaftsverhältnisse mit unserem Begehren zu tun? Und: Wie hängt unser Begehren letztlich mit unserer Subjektivierung zusammen?

Diesen Fragen nähert sich das Tutorium aus einer feministisch-psychoanalytischen Perspektive an. Im Zentrum steht dabei die feministische Auseinandersetzung mit dem freudschen Ödipus-Komplex. Denn seit Freud damit auf die intrinsische Verbindung von Begehren und vergeschlechtlichter Subjektwerdung hingewiesen hat, existiert auch feministische Kritik an ihm – etwa an seinem Androzentrismus, der Biologisierung der Geschlechterdifferenz oder der Überhöhung der Vaterfigur. Doch auch innerhalb der feministischen Debatte war (und ist) man sich keineswegs einig, wie und ob der Ödipus-Komplex feministisch zu deuten sei.

Diese Debatte möchte das autonome Tutorium durch die Lektüre von Primärtexten diverser Psychoanalytikerinnen rekonstruieren. Wir lesen unter anderem Karen Horney, Jeanne Lampl-de Groot und Melanie Klein, die bereits in den frühen Kontroversen um den Ödipus-Komplex unterschiedliche Akzente setzten: Etwa auf die patriarchal-gesellschaftlichen Bedingungen des Penisneids, die Mutter-Tochter-Beziehung innerhalb der ödipalen Konstellation oder die frühe, präödipale Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Ab den 1960er Jahren greifen unter anderem Nancy Chodorow, Janine Chasseguet-Smirguel, Maria Torok, Juliet Mitchell, Luce Irigaray und Jessica Benjamin die Debatten wieder auf und entwickeln sie je nach psychoanalytischer Schule entsprechend weiter. Zentral sind hier insbesondere objektbeziehungstheoretische, lacanianische oder etwas neuere, intersubjektive Zugänge.

Da wir uns mit Primärtexten auseinandersetzen, ist Vorwissen nicht unbedingt notwendig, wohl aber die Bereitschaft, sich gemeinsam auf psychoanalytische Konzepte einzulassen. Zu Beginn des Tutoriums können wir gemeinsam entscheiden, auf welche Debatten und Autorinnen (auch gerne mit ergänzenden Vorschlägen) wir uns im weiteren Verlauf fokussieren möchten.

Kontakt: Pia (pia.goldschmitt[at]googlemail.com )
Termin: Mittwochs 14:25
Erste Sitzung: 28.10.
Raum: S1|15/021

 

Security, Trust, and Technology: Why Do Citizens Tolerate Algorithmic Surveillance?

Smile, you're on camera... and it's learning your habits. Since ChatGPT's 2022 debut, AI has dominated public debate, yet one topic keeps getting overlooked: algorithmic governance. This tutorial asks why some easily accept AI-driven surveillance like facial recognition and predictive policing while others push back hard. Combining computer science, political science, psychology, and sociology we ask whether AI surveillance can coexist with liberal democracy - no coding required, just an open mind.

The course is structured in 3 parts:

I. Psychological Foundations - threat perception, authoritarian predisposition, automation bias, gut vs. rational reactions.

II. Institutional & Political Context - political trust, democracies vs. authoritarian regimes, accountability, legal safeguards.

III. Normative & Democratic Implications - security-liberty trade-off, technocracy, consent, liberal democracy's future.

Format: interactive workshop: discussion, case analysis, structured debate.

Kontakt: Elena (S7079237[at]rz.uni-frankfurt.de)
Termin: Mittwochs 14:25
Erste Sitzung: 28.10.
Raum: L402/6 !!!ACHTUNG!!!: Unterscheidet sich zum in der Borschüre angegebenen Ort! Hier ist noch ein Wechsel zu einem Raum auf dem Campus Stadtmitte möglich. Aktuelle Infos findet ihr hier. !!!ACHTUNG!!!

 

Wo ist deine Wut? Oder: Vom Suchen der autoritären Gewalt um uns und in uns

Was bedeutet es, wenn autoritäre Politik nicht nur als ein politisches Programm verstanden wird, sondern auch als eine Frage von Körpern, Affekten, Geschlechterverhältnissen und Subjektivierungsweisen? Und was bedeutet es für eine kritische politische Theorie, wenn wir die Gewalt autoritärer Politik nicht ausschließlich „außerhalb“ von uns – bei politischen Akteuren, Parteien oder gesellschaftlichen Gruppen – suchen, sondern danach fragen, wie autoritäre Wünsche, Ängste und Abwehrmechanismen gesellschaftlich entstehen und möglicherweise auch in uns selbst wirksam sind?

Ausgehend von diesen Fragen lesen und diskutieren wir kulturwissenschaftliche, psychoanalytische und philosophische Texte. Eine vorläufige Auswahl der Themenfelder umfasst Männlichkeit, Antifeminismus und autoritäre Politik (Theweleit 1977/78, Kaiser 2020); Psychoanalyse und Autoritarismus (Adorno 1951, Fromm 1941, Bottici 2023, Weigel 2022); Autoritarismus- und Faschismustheorien im Vergleich (Hindrichs 2026, Brown 2019, von Redecker 2026); sowie Konzepte der „politischen Mitte“ und Konservatismus (Hochschild 2016, Strobl 2021).

Kontakt: Zahide ( )
Termin: Mittwochs 16:15
Erste Sitzung: 28.10.
Raum: S1|03/10

 

Wo bin ich Mensch, wo darf ich sein? Die soziale Infrastruktur für wohnungslose und suchtkranke Menschen in Darmstadt

Wohnungslosigkeit und Suchterkrankungen gehören zu den sichtbarsten sozialen Herausforderungen deutscher Städte. Stigmatisierung, Vorurteile und Nutzungskonflikte prägen den Umgang mit den Betroffenen. Vor dem Hintergrund steigender Zahlen stellt sich die Frage, welche soziale Infrastruktur eine inklusive Stadt benötigt und wie die Bedürfnisse aller Nutzer*innengruppen sensibel berücksichtigt werden können.

Unter der Frage: „Wo bin ich Mensch, wo darf ich sein?" erarbeiten wir theoretische Grundlagen zu städtischen Maßnahmen gegenüber Obdachlosigkeit und Suchterkrankung im öffentlichen Raum, tauschen uns mit Akteur*innen aus der Praxis aus und untersuchen anhand mehrerer Mappings die soziale Infrastruktur Darmstadts im Vergleich zu Zürich und Frankfurt als Vorreiter-Modelle. Ziel ist es, Unterstützungsangebote und deren räumliche Verteilung sichtbar zu machen und daraus Rückschlüsse auf den Umgang mit marginalisierten Gruppen zu ziehen.

Das Tutorium richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen, die sich für Stadt, Gesellschaft und soziale Gerechtigkeit interessieren und wissenschaftliche Theorie mit Praxisbezug und gemeinsamer Feldforschung verbinden möchten.

Kontakt: Moe (moe.rist[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Donnerstags 13:30
Erste Sitzung: 29.10.
Raum: S1|03/10

 

Wann wird Doping legalisiert? – Doping soziologisch betrachtet

Wann wird Doping legalisiert? Kaum ein gesellschaftlicher Bereich beruft sich so stark auf Fairness und Chancengleichheit wie der Spitzensport, und kaum ein Regelverstoß gilt als so verwerflich wie Doping. Doch während genetische, finanzielle oder strukturelle Vorteile im Sport weitgehend akzeptiert werden, wird pharmakologische Leistungssteigerung moralisch geächtet und rechtlich verfolgt. Dieser Widerspruch wirft grundlegende Fragen auf: Worauf gründet sich das Fairnessideal des Sports eigentlich? Ist Doping individuelles Fehlverhalten oder Ausdruck struktureller Widersprüche eines Systems, das Chancengleichheit predigt, aber Ungleichheit voraussetzt? Und lässt sich Leistungssteigerung im Sport überhaupt trennen von den Optimierungslogiken, die unsere gesamte Gesellschaft – in Arbeitswelt, Medizin oder Ästhetik – zunehmend prägen?

In diesem Tutorium wollen wir Doping nicht primär medizinisch oder juristisch betrachten, sondern als gesellschaftliches Phänomen: sportsoziologisch, sportethisch und mit Blick auf die philosophischen Grundfragen von Gerechtigkeit, Autonomie und Normierung des Körpers. Anhand kurzer Impulsvorträge und gemeinsamer Diskussionen beschäftigen wir uns unter anderem mit der Entstehung und Moralisierung von Doping, dem Umgang mit überführten Athlet*innen, staatlich organisiertem Doping in BRD und DDR sowie aktuellen Debatten wie den Enhanced Games. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – willkommen ist, wer Lust hat, gemeinsam über Fairness, Leistung und die Grenzen des Körpers nachzudenken.

Kontakt: Lasse (lasse.dietrich[at]stud.tu-darmstadt.de )
Termin: Donnerstags 13:30
Erster Termin: 29.10.
S2|15/204K

 

Wer darf dazugehören? Migration, Grenzen und Politik bei Michel Foucault

Für manche Menschen ist eine Grenze kaum mehr als ein Schild am Straßenrand. Für andere bedeutet sie Kontrolle, Registrierung, Warten oder die Frage, ob sie überhaupt weiterreisen dürfen. Warum erleben Menschen dieselbe Grenze so unterschiedlich? Wie entscheidet ein Staat, wer sich bewegen darf? Welche Rolle spielen dabei Reisepässe, Staatsangehörigkeit, Datenbanken und Asylverfahren? Und was hat das alles mit politischer Macht zu tun?

Im Autonomen Tutorium wollen wir uns diesen Fragen mithilfe von Michel Foucault nähern. Seine Überlegungen zu Macht, Überwachung, Biopolitik und Gouvernementalität sollen uns als Werkzeug dienen, um heutige Grenzen und Migrationspolitik genauer zu betrachten. Dabei werden wir Foucault nicht nur lesen, sondern seine Begriffe an konkreten Beispielen ausprobieren und auch kritisch hinterfragen.

Das Tutorium richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen. Vorkenntnisse in Philosophie oder Sozialwissenschaften sind nicht erforderlich. Wichtig sind Interesse am Thema und die Bereitschaft, gemeinsam zu lesen und zu diskutieren.

Kontakt: Nikhil (nikkhelsai1[at]gmail.com )
Termin: Donnerstags 16:15
Erster Termin: 29.10.
S1|03/10

 

Den Staat überwinden, aber wie?

Die Staatsfrage hat die radikale Linke schon lange umgetrieben. Was ist er, warum ist er, was kann man gegen, mit, in oder ohne ihn tun. Diese Debatte hat eine Vielzahl an unterschiedlichen Theorien hervorgebracht, mit denen, die am ehesten erklären können, womit wir es bei dieser ominösen Realabstraktion zu tun haben, beschäftigen wir uns in diesem Seminar. Wer schon immer mal Agnoli oder Paschukanis lesen oder verstehen wollte, warum uns die Herrschaft einer linken Partei auch nichts bringen würde, ist hier richtig.

Kontakt: Max & Julian ( )
Termin: Freitags 14:25
Erster Termin: 30.10.
S1|03/164

 

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