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Autonome Tutorien im Wintersemester 2023/24

Poster Autonome Tutorien WS23/24

Liebe Kommiliton:innen,
auch für dieses Semester haben sich einige eurer Mitstudent:innen wieder die Mühe gemacht, sich in verschiedene Fragestellungen und Themenkomplexe einzuarbeiten und diese nun wöchentlich als Autonomes Tutorium anzubieten. Für euch also die sehnlichst vermisste Gelegenheit, endlich den Anschluss an heiß diskutierte Debatten zu finden, endlich ein tieferes Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft zu erarbeiten, endlich die von verschulten Modulplänen ausgesparten Ansätze zu ihrem Recht zu bringen und endlich Einsichten zu gewinnen, die ihren Zweck nicht in bestandenen Klausuren erschöpfen.
Autonome Tutorien widmen sich Themen, die im straffen Lehrplan der Form und dem Inhalt nach keinen Platz finden. Sie bieten die Möglichkeit, eigenen wissenschaftlichen Interessen ungezwungen nachzugehen und sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen. Das ist angesichts des stetigen Drucks im Studienalltag zwar leider häufig kaum möglich, der Erfahrung nach finden sich in den Tutorien aber dennoch viele Studierende ein, denen das Thema am Herzen liegt und die die Zeit und Muße mitbringen, sich der Sache aufmerksam zu widmen. Und gerade bei schwierigeren Themen werden Wissenshierarchien nicht gegeneinander ausgespielt, sondern alle Teilnehmer:innen mit einbezogen.

Solltet ihr an einem der geplanten Termine keine Zeit haben, meldet euch gerne bei den Leiter:innen des Tutoriums. Manchmal ist eine Terminänderung in Absprache mit den Teilnehmer:innen möglich. Auch ein späterer Einstieg ist kein Problem.

Wir hoffen auf reges Interesse und freuen uns auf eure Teilnahme!

             

Wie nehme ich an einem Autonomen Tutorium teil?

  • Um an einem Tutorium teilzunehmen, könnt ihr einfach zur ersten Sitzung erscheinen.
    Solltet ihr später dazustoßen, meldet euch am besten kurz per Mail unter der aufgeführten Adresse, dann bekommt ihr das Diskussionsmaterial und erfahrt auch, ob es Änderungen hinsichtlich Raum oder Zeit gab.
  • Die Tutor:innen stellen die Textgrundlagen und anderes Material zur Verfügung.
  • Die Tutorien beginnen in der Woche zum 30. Oktober und finden dann wöchentlich statt.
    Normalerweise wieder am Campus Stadtmitte, in Ausnahmen auch noch per Videokonferenz.
  • Über Mailverteiler oder Messenger bleibt ihr für alle weiteren Absprachen in Kontakt.
             

Solltet ihr allgemeine Fragen zum Projekt haben, schreibt uns gerne an , bei Fragen zu den einzelnen Tutorien, schreibt den jeweiligen Tutor:innen einfach direkt.

Ihr möchtet selbst ein Tutorium anbieten? Gegen Ende der Vorlesungszeit wird eine Bewerbungsfrist durch Aushänge, über Mailverteiler und auf den Webauftritten des AStA bekanntgegeben. Die eingereichten Konzepte werden dann anonymisiert und von einer vom AStA gestellten Auswahlkommission diskutiert und ausgewählt. Alle weiteren Informationen dazu findet ihr auf unserer Übersichtsseite zur Ausschreibung.

Die Tutorien:

Den positiven Adorno unter all den negativen suchen – zu einer anderen Adorno-Lesart

Georg Lukács quartierte die Denker der Frankfurter Schule, allen voran Theodor W. Adorno, im „Grand Hotel Abgrund“ ein, das sich „wie ein schönes, mit allem Komfort ausgestattetes modernes Hotel am Rande des Abgrundes, des Nichts, der Sinnlosigkeit [erhebt]. Und der tägliche Anblick des Abgrundes, zwischen behaglich genossenen Mahlzeiten oder Kunstproduktionen, kann die Freude an diesem raffinierten Komfort nur erhöhen.“ Diese Charakterisierung des Ortes der Kritischen Theorie hat sich über die Jahre erhalten. Aber ist das wirklich so? Kann man Adorno nur so lesen, dass sein Werk nur ein pessimistisches sein kann? Nur eines, das politisch apathisch bleibt und sich vom Anblick dieses Abgrunds nicht lösen kann?

In diesem Autonomen Tutorium wollen wir die Gegenposition erörtern und den ‚positiven‘, d.h. hoffnungsvollen und rationalen Kern von Adornos Werk herausarbeiten. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Kritische Theorie heute keiner ‚Aktualisierung‘ bedarf, sondern aus ihrem Kern heraus bereits fähig ist, politische relevante Kritikprogramme zu begründen und sich damit dem Zeitgeschehen immer noch zu- statt abzuwenden. Dazu lesen wir einschlägige Primärtexte Adornos aus allen Phasen seines Werkes.

Kontakt: David (dvschutzbach[at]gmail.com)
Termin: Montags 18:05–19:35
Erste Sitzung: 30.10.
Raum: S1|02/244

 

‘Eigentum ist Diebstahl’!? - Eigentumsbegründungen und -kritiken im Kontext von Vergesellschaftung

Durch den Volksentscheid “Deutsche Wohnen & Co. enteignen” wurde 2021 die Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen mit einer großen Mehrheit beschlossen. Seitdem zeigt sich jedoch, dass Eigentümer*innen- bzw. Kapitalinteressen diese zu verzögern und gar zu verhindern versuchen. Dabei berufen sich diese stets auf das scheinbar unwiderrufliche ‘Recht auf Eigentum’. Eigentum (und deren Begründung) ist sozial konstruiert. Und was sozial konstruiert ist, ist auch (theoretisch) sozial veränderbar - solange die Begründung die Gesellschaft überzeugt.

„Gegenseitiger Vertrag“, „Besitznahme“, „Diebstahl“ - dies sind nur einige zentrale Schlagworte aus ideengeschichtlichen Werke (u.a. Locke, Fichte, Proudhon, Marx), die Eigentum definieren, begründen und auch kritisieren. In einem ersten Schritt soll dies rekonstruiert und dabei mitgedacht werden, wie diese Theorien - explizit oder implizit - zwischen Privat- und Kollektiveigentum unterscheiden. In einem zweiten Schritt soll bezogen auf aktuelle Debatten, Konzepte und Forderungen herausgearbeitet werden, wie Privateigentum kritisiert und Kollektiveigentums begründet werden kann. Dies soll auch mit einer Begriffsschärfung von Privat- und Staats-, Individual- und Kollektiveigentum sowie Enteignung und Vergesellschaftung einhergehen.

Auf Grundlage von kurzen Lektüreausschnitten sollen Eigentumsbegründungen und -kritiken gemeinsam, interaktiv und kritisch nachvollzogen und anschließen kritisiert werden - um begründen zu können, warum nicht Vergesellschaftung, sondern Privateigentum Diebstahl ist.

Kontakt: Tim (timrobin.rieth[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Dienstags 16:15–17:45
Erste Sitzung: 31.10.
Raum: S1|03/10

 

Understanding Feminist Interventions and Critique in Political Science and International Relations

You are interested in what feminist research is all about, and what kind of critique it makes of common political science and international relations (IR) theories? You are tired of only studying traditional theories in the political sciences and IR? Have you always wanted to get to know feminist theoretical approaches to common theories of the social sciences? Then this tutorial is the right place for you! In this tutorial we want to explore these questions. We will look at basic and specific feminist theories in the political sciences and international relations. As I am very happy to adjust the syllabus to the participants interests, in one of the first sessions we will decide together which of the following feminist interventions we want to engage with: (1) basic feminist theory (i.e. liberal, radical, socialist, poststructuralist and multiracial feminism), (2) feminist political theory (i.e. feminist democracy theory, feminist political economy, feminist political ecology) and/or (3) feminist IR theory (i.e. feminist peacebuilding, feminist security studies). Going at our own pace we can use several sessions to look at one feminist intervention extensively, or we can use one session to look at several interventions rather superficially. We will be discussing how feminist approaches have (justifiably) criticised and influenced the social sciences discipline. Additionally, we will explore how (our own) research is shaped by narratives, and how these can be questioned or changed in (our) future research. Together we will build an interdisciplinary toolbox of different feminist theories and gain the skills to use them as theoretical frameworks in our own research projects. The tutorial is open to anyone interested in learning more about feminist interventions in the social sciences. Students of all disciplines and levels of knowledge are welcome. It is not necessary to have already read literature on the topic. I look forward to your interest and participation! The tutorial is expected to be held in a hybrid format. If wanted and agreed upon by all participants, the tutorial can also be held in German. If you want to join, please get in touch, so I can send you the room/ zoom-link.

Kontakt: Elena (elena.dressler[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Dienstags 16:15–17:45
Erste Sitzung: 31.10.
Raum: S1|03/102

 

Queere Theorie: Widerständige Praktiken zwischen Erfahrung und Macht

Inwiefern können wir uns auf unsere eigene Erfahrung und Identität verlassen, wenn wir von Machtstrukturen geprägt sind? Heutiger Queerfeminismus verlässt sich immer mehr auf das Selbstempfinden. Wir müssten uns auf die eigene Erfahrung und das eigene Empfinden verlassen und dadurch unsere Identität entdecken. Doch hat die Queere Theorie in ihren Anfängen angezweifelt, dass wir uns auf eigene ursprüngliche Erfahrungen verlassen können. Sie zeigt, dass wir sogar in der Art wie wir uns selbst empfinden geprägt sind von Machtstrukturen. Eine ursprüngliche Erfahrung wird damit gerade verneint. Wir sind stattdessen immer bereits verfangen in Denksysteme, die zur jeweiligen Zeit gültig sind und damit gründet sich unsere Erfahrung immer auf Machtstrukturen. Dies war die Grundlage queertheoretischer Kritik. Und doch gibt es zugleich queere Menschen, die sich gegen ein binäres und heteronormatives Geschlechtersystem stellen und damit eine Widerständigkeit aus ihrer eigenen Erfahrung entwickeln. Also ist es kaum einsehbar, dass es keine Möglichkeit gäbe, Erfahrungen zu machen, die außerhalb eines Machtdiskurses entstehen.

Im Tutorium möchten wir die queertheoretische Kritik an einer ursprünglichen Erfahrung verstehen und Lösungswege ergründen, die queere Autor*innen anbieten.

Wir wollen zusammen diskutieren, welche Erkenntnisse die Queer Theorie entwickelte um den Zwiespalt zwischen eigener Erfahrung und Machtstrukturen besser verstehen zu können, aber auch wie wir trotzdem widerständige Praktiken entwickeln können um Machtstrukturen zu verschieben.

Wir werden dazu drei Autor*innen lesen: Judith Butler, Paul B. Preciado und Johanna Oksala.

Kontakt: Johanna (johanna.euler[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Mittwochs 13:30–15:00
Erste Sitzung: 01.11.
Raum: S1|03/015

 

Wen kümmerts? Eine räumliche Auseinandersetzung mit Fürsorge im universitären Kontext

Für Studierende sind die Grenzen zwischen Häuslichem und Institutionellem, Leistung und Erholung meist fließend. In der Universität wird gearbeitet, gekocht und geschlafen. All diese Tätigkeiten werden durch bezahlte und unbezahlte, sichtbare und unsichtbare Care-Arbeit ermöglicht. Also das “Sorgen und Kümmern”.

Wie im Privaten, ermöglicht Care-Arbeit auch im universitären Raum Leistung. Wir möchten insbesondere auf informelle Lern- und Lehrorte schauen, die im Studienalltag selbstverständlich erscheinen. So ist die Mensa als Ort des Zusammenkommens gleichzeitig Küche, Wohnzimmer, Treffpunkt, Beratungsstelle und Schwarzes Brett für viele Personen der TU und Stadt Darmstadt. Die Architektur der Mensa definiert hierbei nicht nur die vorgesehene Nutzung der Räume, sondern offenbart auch den gesellschaftlichen Stellenwert und (Un-)sichtbarkeit von Care-Arbeit.

Care fungiert als Rückgrat für die Universität: Doch was bedeutet Care für uns im Studium? In welcher Weise ermöglicht oder hindert Architektur Care? Inwieweit können wir Einfluss auf die schon gebaute Architektur ausüben?

Wir sehen die TU Darmstadt als Feldlabor, um uns alltagsnah diesen Fragestellungen zu nähern. Ergänzend wollen wir Literatur über Care, Architektur und Lehre in einem selbst gewählten “Setting der Fürsorge“ besprechen. Dabei entscheiden wir selbst, wie wir zusammenkommen wollen, wie wir lernen wollen und wie wir uns im Raum verstehen. Unser Ziel ist es, uns für das Thema Care im universitären Raum zu sensibilisieren und dies über Foto- und Videomaterial zu dokumentieren. Darüber hinaus wollen wir unser theoretisches Wissen und unsere gesammelten Erfahrungen in einer gemeinsamen räumlichen Intervention am Ende des Tutoriums zusammenbringen.

Who cares?
A spatial examination of caring in the university context.

For students, the boundaries between domestic and institutional, performance and recreation are usually blurred. At the university people work, study, eat, drink, meet, party, cook, and sleep. All of these activities are made possible by paid and unpaid, visible and invisible care work. In other words, the work of "worrying and nurturing".


As in the private sphere, care work enables performance in the university sphere. We would like to look in particular at informal places of learning and teaching that seem to be taken for granted in everyday academic life. Thus the “Mensa” as a place of gathering is at the same time kitchen, living room, meeting place, advice center and bulletin board for many people of the TU and the city of Darmstadt. The architecture of the cafeteria not only defines the intended use of the rooms, but also reveals the social significance and (in)visibility of care work.
Care acts as a backbone for the university: But what does Care mean for us in our studies? In what ways does architecture enable or hinder Care? To what extent can we influence the architecture that has already been built?


We see the TU Darmstadt as a field laboratory to approach these questions close to everyday life. In addition, we want to discuss literature about care, architecture and teaching in a self-selected "setting of care". In doing so, we decide for ourselves how we want to come together, how we want to learn, and how we understand ourselves in the space. Our goal is to sensitize ourselves to the topic of Care in the university space and to document this via photographic and video material. Furthermore, we want to bring together our theoretical knowledge and our collected experiences in a common spatial intervention at the end of the tutorial.

Kontakt: Bea & Hannah (whocares_tutorium[at]gmx.de)
Termin: Montags 18:05–19:35
Erste Sitzung: 30.10.
Raum: S1|03/10

 

Alles Faschos außer Mutti - Zur Klärung des Faschismusbegriffs

Kaum ein Begriff wie der des Faschismus ist in der politischen Debatte so viel verwendet wie gleichzeitig unverstanden. Oft erscheint es, der Vorwurf des Faschismus dient ausschließlich dazu den politischen Opponenten zu delegitimieren, da mit Faschismus das absolute Übel assoziiert wird während die unklare Vorstellung dessen begünstigt, ihn inflationär zu benutzen. Historische Beispiele finden sich dafür zur Genüge. Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bezeichneten sich Anhänger der KPD und der Sozialdemokratischen Partei in Deutschland gegenseitig als Faschisten. Politikwissenschaftler streiten nach wie vor darüber, ob mit dem Faschismusbegriff nicht nur die italienischen Faschisten, das francistische Spanien oder die deutschen Nationalsozialisten, sondern auch deren japanischer Verbündeter gefasst werden kann. Auch die heutige Diskussion um den globalen Rechtsruck sind vom Faschismusbegriff dominiert, während gleichzeitig rechte Sammelbewegungen wie die sogenannten Querdenker die Bundesrepublik als faschistisch titulieren. Im Tutorium werden verschiedene Ansätze des Faschismusbegriff in ihrer historischen Genese vorgestellt und verglichen, um mit diesen anschließend aktuelle politische Phänomene zu diskutieren.

Kontakt: Finja & Robin (at_faschismus[at]riseup.net)
Termin: Mittwochs 14:25–15:55
Erste Sitzung: 01.11.
Raum: S1|03/102

 

Die Existenzweise technischer Objekte

Gilbert Simondons (1924-1989) Die Existenzweise technischer Objekte ist ein Klassiker der Technikphilosophie, den es hierzulande immer noch zu entdecken gilt. Mit seinem frühen Versuch, die Technik kulturell zu rehabilitieren, gilt Simondon als Wegbereiter der Science and Technology Studies (STS). In seiner Studie, die 1958 zum ersten Mal auf französisch erschienen ist und mittlerweile in deutscher Übersetzung vorliegt, verbindet Simondon einen detailversessenen empirischen Zugriff auf technische Objekte mit philosophischer Begriffsarbeit.

Gemeinsam mit Teilnehmer*innen aus sowohl gesellschaftswissenschaftlichen als auch technischen und naturwissenschaftlichen Fächern möchte ich Simondon über die Schulter blicken, wenn er die „Black Box Technik“ öffnet, um ihr Innenleben zu erforschen und ihre Verknüpfung mit der technischen Umwelt zu betrachten. Die technischen Objekte verfügen laut Simondon über eine eigene Existenzweise, die sich weder auf ihren Gebrauch durch den Menschen noch auf ihre Stellung im ökonomischen Verwertungsprozess reduzieren lässt. Politisch stehen mit der Unterwerfung der Maschinen auch die herrschaftsförmigen Beziehungen der Menschen untereinander auf dem Spiel.

Das grundlegende Ziel von Simondons Untersuchung ist deshalb eine Bewusstwerdung über den Sinn und das Wesen der technischen Objekte, weshalb seine feingliederigen Analysen in das sehr grundlegende Plädoyer für eine erweiterte technische Bildung eingebettet sind. Was in Simondons Denken in letzter Instanz auf dem Spiel steht, ist damit auch die Rolle einer technischen Universität in der Gesellschaft.

Kontakt: Sebastian (s8897124[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Mittwochs 16:15–17:45
Erste Sitzung: 01.11.
Raum: S1|02/244

 

A History of China‘s Cultural Policy

China is a country with a rich history and culture. Chinese culture is closely related to China‘s political environment, government, leadership, and ideology. Chinese culture is also perceived with stereotypes and prejudices; because China has a different political and ideological structure from the West, the decision-making processes of the Chinese government lead to a perception of China‘s policies being mysterious. It is often difficult for people outside the country to precisely understand the true purposes of Beijing‘s policies since the official documents and scholarships produced within the country only provide a partial insight. Consequently, the purpose of this tutorial is, on the one hand, to bridge the Chinese and English scholarship regarding China‘s cultural policy, and on the other hand, to draw attention to the investigation of cultural phenomena as a reflection of China‘s overarching strategy. In doing so, we will gain better insights into China as a country with diverse cultures and the question of how the cultures are tied with and shaped by politics.

Despite its significance, China‘s cultural policy has remained a less commonly discussed and understudied topic in various disciplines (political science, international relations, cultural studies, political philosophy, etc.). In this tutorial, we will read China‘s official cultural policy before and after the founding of New China, under the leadership of Mao Zedong, Deng Xiaoping, Jiang Zemin, Hu Jintao, and Xi Jinping. The reading material includes official documents and/or speeches regarding culture and cultural policy. Moreover, a comparative approach will be used to explore the continuities and discontinuities of cultural policies in China by answering the question of whether different leadership styles affect their respective policies. We will also read secondary literature written by both Chinese (in translation) and Western scholars to see the disparity in the perceptions of Chinese culture inside and outside the country. By the end of the tutorial, we will hopefully be able to give a synopsis of the most crucial cultural phenomena in different historical periods and the main purposes of respective cultural policies during these times.

This tutorial will pay special attention to the Jewish culture in China; one of the sessions will be dedicated to the history and current living situation of Chinese Jews, a small ethno-religious group, as well as the Jewish interaction with Chinese culture. Judaism in China is a very unique cultural phenomenon, and the policy regarding it is beyond fascinating and worth reflecting on. As a Chinese Jew myself, I sincerely invite everyone to an open dialogue.

Kontakt: Aynur (aynur.yuhuang[at]gmail.com)
Termin: Mittwochs 18:05–19:35
Erste Sitzung: 01.11.
Raum: 1|02/244

 

Für einen anderen Umgang mit Gewalt. Community-basierte Konzepte von Sicherheit

Setzen wir uns in Studienkontexten mit Gewalt auseinander, bleibt diese häufig als etwas abstrakt-theoretisches auf Distanz. Doch was passiert, wenn wir auf viel persönlicherer, intimerer Ebene mit Gewalt konfrontiert werden? Gewalt in partner_innenschaftlichen Beziehungen, rassistische oder transfeindliche Ausfälle in Freund_innenkreisen und Kollektiven überfordern und werden häufig nicht oder nur wenig aufgearbeitet, betroffene Personen verlassen ihre Umfelder und ziehen sich zurück.

Wer soll helfen? Staat und Polizei? Eine Vergewaltigung anzuzeigen, wirkt auf Betroffene oft retraumatisierend. Begegnungen von Schwarzen Menschen und People of Color mit der Polizei können tödlich enden. Selbst wenn es zu einer Verurteilung gewaltausübender Personen kommen sollte – sind diese an den Bedürfnissen Betroffener, aber auch gewaltausübender Personen orientiert? Wenn unser Justizsystem keine zuverlässige Hilfe leistet, was kann stattdessen getan werden? Seit Jahrzehnten wird daher in selbstorganisierten Zusammenhängen darüber nachgedacht, wie diese miteinander mit Gewalt untereinander umgehen können. Gewalt wird nicht mehr nur als persönlich-individuelle, sondern als gemeinschaftliche Angelegenheit betrachtet und kontextualisiert. Speziell Abolitionismus stellt die Forderung nach der Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen wie Gefängnissen und Polizei und sucht nach Wegen, wie das aktuelle Strafsystem ersetzt werden könnte. In den USA in diesem Kontext entstandene Konzepte wie Community Accountability und Transformative Justice sind Vorschläge für einen alternativen Umgang miteinander. Im Tutorium werden wir uns diese und weitere, ausgehend von Abolitionismus, gemeinsam erarbeiten und kritisch analysieren und Themen wie Männlichkeit, Rassismus und Transfeindlichkeit diskutieren, die eng damitverwoben sind. Auch Gegenpositionen und Kritiken sollen ihren Platz finden. Vorwissen ist nicht nötig.

Kontakt: Ida (at.umgangmitgewalt[at]gmx.de)
Termin: Mittwochs 16:15–17:45
Erste Sitzung: 01.11.
Raum: S1|03/10

 

Deutsche Angst. Deutsche Zeit – Über Apokalyptik, Untergangslust, krisenhafte Zeiterfahrung und Kommunismus

„Nicht die bürgerliche Gesellschaft soll umgewälzt, sondern die Welt in eine Wildnis oder ein Trümmerfeld verwandelt, also in unbearbeitete, noch nicht menschlichen Zwecken dienstbar gemachte, nicht humanisierte Natur zurückverwandelt werden, damit alles bleiben kann, wie es ist“ (Pohrt, Survivalists, IIX)

„Unser Haus brennt.“ ist der apokalyptische Schlusssatz, der sich auf unsere Welt, den Planeten Erde beziehenden Rede Greta Thunbergs, vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos 2019. Sieht man in den deutschen Blätterwald scheinen seit dem einige Brandherde hinzugekommen oder wiederaufgeflammt zu sein. Hinzu kamen die Corona-Pandemie und als „Evergreen der Angst“ die nukleare Bedrohung im Krieg Russlands gegen die Ukraine. Während diese Bedrohungen in allen Teilen der westlichen Welt Teil aktueller Debatten sind, fällt auf, dass sie besonders in Deutschland sehr stark mit dem Begriff der Angst in Zusammenhang gebracht werden. „Klimaangst“, ein Zustand unter dem laut „Spiegel“ bis zu 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen hierzulande leiden schaffte es als neues Wort zum Beginn des Jahrzehnts in den Duden. Die „german angst“, mit der dieses Phänomen in der anglophonen Welt zur Kenntnis genommen wird, ist sprichwörtlich geworden.

Beobachtern der deutschen Angst wie Wolfgang Pohrt und Klaus Vondung fiel dabei auf, dass die politische und kulturelle Mobilisierung von Angst in Deutschland oft mit apokalyptischen Vorstellungen einhergeht. Probleme werden nicht sachlich, gar gleichgültig oder mit ironischer Distanz verhandelt, sondern in einen endzeitlichen Kontext gestellt. Neben die Angst vor die Apokalypse gesellt sich hierzulande oft die Lust am Untergang.

Angst wird dabei von einer subjektiv-psychologischen Größe zu einer politisch- kollektiven Kategorie. Wie diese Dynamik funktioniert, welche historischen bzw. sozialpsychologischen Grundlagen sie hat und was damit im ideologischen Sinne spezifisch deutsch ist und wie sie emanzipatorisch kritisiert werden kann, soll der Gegenstand dieses Tutorium sein.

Kontakt: Johannes (s9189060[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Dienstags 14:25–15:55
Erste Sitzung: 31.10.
Raum: S1|03/10

 

„As a matter of fact, I know …“ - On the role of objectivity in opinion formation and discourses

Many people share the perception that, regarding many and especially political topics, nowadays there tend to be two camps, to which even people who would prefer to remain neutral or to take a more differentiated stand are assigned („Whoever is not for us, is against us“). Those hardened fronts pose challenges to cooperation and democracy, as discourses often are stuck in a place of opposing views that make compromises almost impossible. Everyone claims to know the truth or requests members of the other party to come up with objective facts to make them change their mind – yet somehow evidence is never convincing enough. And meanwhile, many people(s) stand on the sideline, waiting for their chance to speak up and be heard instead of silenced.

In this tutorial, we will explore how our minds work regarding beliefs, especially those that are constituting to our (social) identities. We will dive into the analysis of political discourses and learn to break toxic patterns. We will address who tends to be excluded from discourses and the production of knowledge and what that implies about how objective some of our scientific findings and opinions are. We will engage with conspiracy narratives, discuss which personal and political measures are suited to oppose them and how to change minds – not only those of others, but also our own.

To give everyone the chance to participate according to their needs and prospect, we are going to take a co-creative approach and employ a mix of media. I will provide a provisional session plan but am happy for all kinds of suggestions of changes. During the first session(s) we are going to discuss which language(s) to use, whether to meet in person, digitally or in a hybrid setting and which focus to set first.

Zur Rolle von Objektivität in Meinungsbildung und Diskursen

Ständig teilt sich die Welt in zwei Lager mit verhärteten Fronten, denen auch Menschen zugeordnet werden, die eigentlich neutral bleiben oder eine differenziertere Position vertreten möchten. Diskurse stecken oft auf einem Stand fest, der demokratische Kompromisse fast unmöglich macht. Alle behaupten, die Wahrheit zu kennen oder verlangen von den anderen objektive Fakten, um sich umstimmen zu lassen - doch irgendwie sind Beweise nie überzeugend genug. Und in der Zwischenzeit stehen viele Menschen(gruppen) am Rande und warten auf ihre Chance, das Wort zu ergreifen und gehört, anstatt zum Schweigen gebracht zu werden.


In diesem Tutorium werden wir erforschen, wie unser Verstand in Bezug auf Überzeugungen funktioniert, insbesondere in Bezug auf solche, die für unsere (soziale) Identität konstitutiv sind. Wir werden in die Analyse von politischen Diskursen eintauchen und lernen, toxische Muster zu durchbrechen.
Wir werden uns damit befassen, wer tendenziell von Diskursen und der Produktion von Wissen ausgeschlossen wird und was das über unser Verständnis von Objektivität aussagt. Wir werden uns mit Verschwörungsnarrativen auseinandersetzen, diskutieren, welche persönlichen und politischen Maßnahmen geeignet sind, um ihnen entgegenzutreten, und wie wir Meinungen ändern können - nicht nur die anderer, sondern auch unsere eigenen.


Um allen die Möglichkeit zu geben, sich entsprechend ihrer Bedürfnisse und Erwartungen einzubringen, werden wir einen co-kreativen Ansatz verfolgen und einen Medienmix aus Quellen einsetzen. Ich werde einen vorläufigen Sitzungsplan zur Verfügung stellen, freue mich aber über alle Arten von Änderungsvorschlägen. Während der ersten Sitzung(en) werden wir besprechen, welche Sprache(n) wir verwenden, ob wir uns in Person, digital oder hybrid treffen und welche Schwerpunkte wir zuerst setzen wollen.


Wer im Laufe des Semesters dazukommen möchte, ist ebenfalls herzlich willkommen!

Kontakt: Han (han.dittmar[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Donnerstags 18:05–19:35
Erster Termin: 02.11.
S1|02/244

 

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