Leon Szymanski 9. April 2026 - 18:25
Liebe Kommiliton:innen,
auch für dieses Semester haben sich einige eurer Mitstudent:innen wieder die Mühe gemacht, sich in verschiedene Fragestellungen und Themenkomplexe einzuarbeiten und diese nun wöchentlich als Autonomes Tutorium anzubieten.
Für euch also die sehnlichst vermisste Gelegenheit, endlich den Anschluss an heiß diskutierte Debatten zu finden, endlich ein tieferes Verständnis von Wissenschaft und Gesellschaft zu erarbeiten, endlich die von verschulten Modulplänen ausgesparten Ansätze zu ihrem Recht zu bringen und endlich Einsichten zu gewinnen, die ihren Zweck nicht in bestandenen Klausuren erschöpfen.
Autonome Tutorien widmen sich Themen, die im straffen Lehrplan der Form und dem Inhalt nach keinen Platz finden. Sie bieten die Möglichkeit, eigenen wissenschaftlichen Interessen ungezwungen nachzugehen und sie in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zu stellen. Das ist angesichts des stetigen Drucks im Studienalltag zwar leider häufig kaum möglich, der Erfahrung nach finden sich in den Tutorien aber dennoch viele Studierende ein, denen das Thema am Herzen liegt und die die Zeit und Muße mitbringen, sich der Sache aufmerksam zu widmen. Und gerade bei schwierigeren Themen werden Wissenshierarchien nicht gegeneinander ausgespielt, sondern alle Teilnehmer:innen mit einbezogen.
Solltet ihr an einem der geplanten Termine keine Zeit haben, meldet euch gerne bei den Leiter:innen des Tutoriums. Manchmal ist eine Terminänderung in Absprache mit den Teilnehmer:innen möglich. Auch ein späterer Einstieg ist kein Problem.
Wir hoffen auf reges Interesse und freuen uns auf eure Teilnahme!
|
Am 28. April um 18 Uhr wird eine Vorstellung der Autonomen Tutorien als Projekt im Allgemeinen und der hier aufgeführten Tutorien dieses Semesters geben. Hier könnt ihr die aktuellen Tutor:innen kennen lernen, aber auch Fragen stellen, falls ihr selbst plant ein Tutorium anzubieten.
Solltet ihr darüber hinaus allgemeine Fragen zum Projekt haben, schreibt uns gerne an , bei Fragen zu den einzelnen Tutorien, schreibt den jeweiligen Tutor:innen einfach direkt.
Ihr möchtet selbst ein Tutorium anbieten? Gegen Ende der Vorlesungszeit wird eine Bewerbungsfrist durch Aushänge, über Mailverteiler und auf den Webauftritten des AStA bekanntgegeben. Die eingereichten Konzepte werden dann anonymisiert und von einer vom AStA gestellten Auswahlkommission diskutiert und ausgewählt. Alle weiteren Informationen dazu findet ihr auf unserer Übersichtsseite zur Ausschreibung.
Die Tutorien:
- Warenform gleich Rechtsform? Zur materialistischen Rechtskritik Eugen Paschukanis’
- On Touching Grass: Rethinking Debate, Identity, and Political Change
- Von Lokomotiven, Kanonen und Liebe – feministische Perspektiven auf Revolution
- Will Your Future Partner be a Robot? !!!ACHTUNG: Dieses Tutorium startet erst eine Woche später!!! ATTENTION: This tutorial will start a week later!!!
- Innere Nötigung und objektiver Zwang: Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Marxismus
- Kritische Theorie der Familie
- Drohnen jenseits der Front / Drones beyond the front lines
- Vom liberalen zum autoritären Staat? / From a liberal to an authoritarian state?
- Der Vater in der Moderne
- Die neue Rechte und der Kampf um kulturelle Hegemonie / The new right and the struggle for cultural hegemony
- Feministische Technikphilosophie
- Arbeitszeitrechnung bei Marx
Warenform gleich Rechtsform? Zur materialistischen Rechtskritik Eugen Paschukanis’
In dem autonomen Tutorium soll der Blick auf eines der grundlegenden Werke materialistischer Rechtskritik gelegt werden: Eugen Paschukanis’ Allgemeine Rechtslehre und Marxismus. Der sowjetische Jurist rückte 1929 als erster die wechselseitige Beziehung zwischen der Struktur des Rechts und der Ökonomie, zwischen Rechtsform und Warenform, ins Zentrum seiner Analyse. Beide Formen gründen, so die These, auf dem Äquivalenzprinzip – dem Tausch von zwei gleichwertigen Gütern. Im Recht begegnen sich die gleichgestellten Rechtssubjekte so, wie sich die Waren auf dem Markt begegnen. Es geht somit nicht um eine inhaltliche Kritik des Rechts – etwa, dass das moderne Recht nicht ausreichend gerecht formuliert ist. Stattdessen beschäftigt sich Paschukanis mit der Form des Rechts: diese entspreche der Struktur des Tausches unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen. Im Tutorium wollen wir uns, ausgehend von dieser These, mit dem Verhältnis von Recht und Ökonomie bei Marx, Paschukanis und der später auf ihm aufbauenden Neuen Marx-Lektüre auseinandersetzen.
Kontakt: Valentin (v.conrad[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Montag, 14:25
Erste Sitzung: 27.04.
Raum: S1|02/344
On Touching Grass: Rethinking Debate, Identity, and Political Change
"I would rather slam my cock in a door than debate climate change." - Ben Goldacre, when invited onto the Australian show Can I Change Your Mind about… Climate.
Maybe this is a point where we stop appealing through rationalizing and discussing. We cannot talk someone out of being racist, or homophobic, or convincing them that climate change is something to care about. But how do people actually form and change their political beliefs?
In this tutorial, we take that question seriously. Drawing on Sarah Stein Lubrano's Don't Talk About Politics!, we examine how political beliefs actually form - and why rational argument so rarely changes them - through the lens of cognitive science and social psychology.
We will also examine the media landscapes shaping our politics today: viral debates, algorithmic amplification, and platform shifts. And we will ask the practical question: if debate doesn't work, what does? What role do demonstrations, organizing, friendship, and community play in producing real political change?
Kontakt: Romina (romina.razavi[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Dienstags, 14:25
Erste Sitzung: 28.04.
Raum: S1|03/10
Von Lokomotiven, Kanonen und Liebe – feministische Perspektiven auf Revolution
Die Idee der Revolution ist sowohl realgeschichtlich als auch sozialwissenschaftlich-theoretisch komplex und schwierig greifbar. Popkulturell ruft sie vor allem Assoziationen auf, die mindestens kriegsähnliche Zustände darstellen. Dabei liegt Revolution als bewaffneter Kampf gegen die Mächtigen häufig sehr nahe an antisemitischen Verschwörungserzählungen und soldatischer Männlichkeit. In dem Autonomen Tutorium wollen wir uns der Revolution aus feministischer Perspektive nähern: Dabei beschäftigen wir uns vor allem mit der Frage wie Revolution gedacht und konzeptualisiert werden kann, wenn damit nicht lediglich ein gewaltsamer (politischer) Machtumwälzungsprozess gemeint sein soll, sondern Beziehungen im Allgemeinen und Sorgebeziehungen im Besonderen stärker in den Fokus rücken. Dabei können Beziehungen sowohl Ausgangspunkt, Mittel als auch Ziel revolutionärer Praktiken sein. Während wir gemeinsam verschiedene theoretische Perspektiven erarbeiten, begleiten uns die Kurzgeschichten der russischen Kommunistin Alexandra Kollontai. Die Geschichten über die Probleme und Lichtblicke während der russischen Revolution sollen als gemeinsamer Gegenstand dienen, auf den wir die theoretischen Inhalte immer wieder beziehen können.
Hannah (hannah.kaufmann[at]posteo.de)
Termin: Dienstags, 16:15
Erste Sitzung: 28.04.
Raum: S1|02/330
Will Your Future Partner be a Robot?
AI companions are quickly becoming part of everyday life. Apps like Replika or Character AI allow users to chat, flirt, and build emotional bonds with a digital partner that is always available, always responsive, and tailored to their preferences. This tutorial invites you to explore how AI companion systems interact with us, the algorithms behind them, and how companies design these platforms to make something virtual feel emotionally real and deeply personal.
We will examine how these systems are built - from language models and personalization mechanisms to mood detection and reinforcement strategies - and how companies implement features that encourage attachment and long-term engagement. At the same time, we will reflect on broader questions: Can a human - AI relationship be considered love, or is it only algorithmic simulation? If AI companions always agree, comfort, and validate us, do they help us grow – or do they keep us in a space where we only feel seen but not challenged? How much artificial companionship is supportive, and when might it begin to replace the discomfort and effort that real relationships require?
Through discussion, small demonstrations, and critical reflection (no technical background required), this tutorial explores how AI companions influence loneliness, intimacy, and human-to-human relationships, and invites students from all disciplines to think critically about love in the age of algorithms.
Kontakt: Thanh (kim.thanh[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Dienstags, 18:05
Erste Sitzung: 05.05.
Raum: S1|03/015
Innere Nötigung und objektiver Zwang: Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Marxismus
Sowohl die Psychoanalyse als auch der Marxismus, werden im aktuellen Wissenschaftsbetrieb stiefmütterlich behandelt und zu handzahmen Begriffen wie „Sozialpsychologie“ oder „Gesellschaftstheorie“ degradiert. Dabei waren sie einmal die wesentlichen Bezugspunkte der kritischen Theorie. Grund dafür war nicht, dass Freud und Marx, wie es zum Beispiel der Freudo-Marxismus der 68er Bewegung versprach, sich einfach so praktisch ergänzen ließen, sondern weil sie beide die Herrschaft eines objektiven Zwangs anprangerten, „der sich doch nur im subjektiven Handeln ausdrücken vermag“ (Krug 2016). Marx zeigte in der Kritik der politischen Ökonomie die Selbstverwertung des Werts auf und beschrieb das kapitale Subjekt als bloßen Ausdruck eines anonymen Zwangs. Freud wiederum kritisierte die seelische Ökonomie und entthronte den vermeintlichen freien Willen jenes bürgerlichen Subjektes als hochgradig von unbewussten – als äußerer Zwang erscheinenden – Triebregungen bestimmt. Beiden gemeinsam ist die tiefe Kränkung, die ihre Kritik am Ideal der bürgerlichen Autonomie auslöste: Das bürgerliche Ich war weder Herr auf dem Markte noch im eigenen Haus.
Das Tutorium setzt sich auf dieser Grundlage mit Freud und Marx auseinander. Dabei soll die „Triebhaftigkeit des Werts und die autonome Psychologie der Verhältnisse“ (Krug 2016, S. 15) im Vordergrund stehen: Marxens (Tausch-) Wert als kapitalistische Hypostasierung von Hegels Geist und Freuds Es, dass, hier kann man mit Marx sprechen als „Tradition aller toten Geschlechter wie ein Alp auf dem Gehirn[en] der Lebenden“ (MEW 8, S. 115) lastet. Im Tutorium lesen wir gemeinsam überwiegend abwechselnd Marx und Freud Texte. Das Tutorium soll die Lust an der Kritik und gemeinsamen Diskussionen wecken. Es soll nicht darum gehen, Marx oder Freud orthodox herunter zu beten, sondern vielmehr ein Gefühl dafür zu bekommen, was in den jeweiligen Texten Alles entdeckt werden kann. Das Tutorium sollte sich sehr gut für den Einstieg in Freud und Marx sowie den Subjektbegriff der kritischen Theorie eignen. Vorwissen ist explizit nicht von Nöten, auch, wenn es natürlich immer hilfreich ist.
Kontakt: Martha (freudundmarx[at]proton.me)
Termin: Mittwochs, 13:30
Erste Sitzung: 29.04.
Raum: S1|03/10
Kritische Theorie der Familie
In der Institution der Familie manifestieren sich vergeschlechtlichte Hierarchien und Machtverhältnisse, welche sich von der Verteilung von Produktions- und Reproduktionsarbeit, sexueller und partnerschaftlicher Gewalt bis hin zu heteronormativen Konstellationen erstrecken. Vor dem Hintergrund des Versuchs autoritärer AkteurInnen, eine ideologische Stärkung der (heterosexuellen) Familie voranzutreiben, scheint eine Kritik dieses Familialismus für eine gegenwärtige feministische Gesellschaftstheorie unabdingbar. Zugleich wird eine radikale feministische Absage an die familiäre Institution durch sozialpsychologische Perspektiven der Kritischen Theorie herausgefordert. So hebt beispielsweise Barbara Umrath hervor, dass die feministische Seite das Theorem des autoritären Sozialcharakters und das Problem des Autoritarismus kaum beleuchtet hat. Dieses Spannungsverhältnis zwischen historisch-materialistischen und sozialpsychologischen Theorien zur Familie einerseits und feministischen Theorien zu dieser andererseits soll im Autonomen Tutorium diskutiert und bearbeitet werden. Welche theoretischen Perspektiven auf das Verhältnis von Autorität und Familie gibt es? Wo gibt es innerhalb einer Kritischen und feministischen Theoriebildung Widersprüche? Lassen sich Synergien oder Vermittlungen finden? Und wie kann bzw. muss eine emanzipatorische Kritik der Familie aussehen?
Ziel des Autonomen Tutoriums ist die gemeinsame Lektüre ausgewählter und Diskussion, um einen Einstieg in die Komplexität und Vielschichtigkeit des Verhältnisses von Autoritarismus und Familie zu finden.
Kontakt: Lina (lina-marie.eilers[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Mittwochs, 14:25
Erste Sitzung: 29.04.
Raum: S1|02/344
Drohnen jenseits der Front
Drohnen prägen den Ukrainekrieg in bislang ungekanntem Ausmaß und wirken zunehmend weit hinter der Frontlinie. Doch was bedeutet diese Entwicklung für das zivile Leben vor Ort? Wie verändern sich Alltag, Schutzpraktiken und humanitäre Arbeit unter Bedingungen permanenter technologischer Bedrohung? Das Tutorium richtet den Blick bewusst auf die zivile Erfahrungsdimension neuer Drohnentechnologien. Im Zentrum stehen wissenschaftliche Analysen ebenso wie Erfahrungsberichte von humanitärem Helfer*innen, technischen Expert*innen und Betroffenen. In einem offenen, diskursiven Format werden die sozialen Folgen technologischer Entwicklungen gemeinsam erschlossen und in aktuelle Debatten zu Dual-Use, ziviler Verwundbarkeit und technologischer Verantwortung eingeordnet.
Da im Tutorium wiederholt Erfahrungen von Gewalt und Bedrohung thematisiert werden, wird auf einen sensiblen und respektvollen Umgang im gemeinsamen Lernprozess geachtet. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Drones beyond the front lines
Drones are shaping the war in Ukraine to an unprecedented extent and are increasingly operating far behind the front line. But what does this development mean for civilian life on the ground? How are everyday life, protection practices, and humanitarian work changing under conditions of permanent technological threat?
This tutorial deliberately focuses on the civilian experiential dimension of new drone technologies. It brings together academic analyses as well as first-hand accounts from humanitarian workers, technical experts, and affected civilians. In an open, discursive format, participants will collaboratively explore the social consequences of technological developments and situate them within current debates on dual-use technologies, civilian vulnerability, and technological responsibility.
As experiences of violence and threat will be addressed repeatedly throughout the tutorial, particular attention will be paid to maintaining a sensitive and respectful learning environment.
No prior knowledge is required.
Kontakt: Marie (marie-gregor[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Mittwochs 16:15
Erste Sitzung: 29.04.
Raum: S1|02/144
Vom liberalen zum autoritären Staat?
Nachdem der öffentliche „Diskurs“ zunehmend von Debatten über die allgemeine Bedeutung der Arbeit, die Dimension der Arbeitszeit oder den Umfang der Arbeitsleistung beherrscht wurde, lagen unter dem versöhnlichen Dach des Wohlfahrtsstaates zuletzt einige Federn. In wirtschaftspolitisch weltweit ohnehin schon besorglichen Zeiten wurde eine sozialdemokratische Arbeitsministerin mit ihrer Ankündigung, die Sanktionen gegen Bürgergeld empfangende Arbeitsverweigerer:Innen bis zur verfassungsrechtlichen Grenzlinie zu treiben zur profillosen Rolle eines hiesigen Trauerspiels. Auch die jüngste rhetorische Aufrüstung gegen einen „Lifestyle der Teilzeit“ zeugt von immer schärferen Tönen: Ende mit der Faulenzerei, wer nicht arbeitet, den ereile die Sanktion. Dabei werden tastende Eingriffsversuche in die Privatautonomie der Einzelnen mit Verweis auf die „Solidargemeinschaft“ legitimiert. Fragt man sich indessen, nach welchem Mechanismus der Wirtschaftsliberalismus allmählich autoritärere Züge gewinnt, nach welchem Muster Solidarität ausgelegt wird und zu wessen Interesse beziehungsweise Schaden derartige Schrullen die Öffentlichkeit benebeln, erscheinen die frühen Analysen der Kritischen Theorie wieder zusehends aktuell. Im Rahmen des Tutoriums wollen wir die Aktualität der „Kontinuitätsthese“ sowie der „Racket-Theorie“ prüfen und das Wandlungsmotiv des liberalen in den autoritären Staat unter dem Druck ökonomischer Sachzwänge untersuchen.
From a liberal to a authoritarian state
After public discourse became increasingly dominated by heated debates about the general significance of work, the length of working hours and the scope of work performance, the conciliatory umbrella of the welfare state ultimately suffered some damage. In times that are already worrying for the global economy, a social democratic Minister of Labour became the faceless protagonist of a local tragedy with her announcement that she would push sanctions against citizens receiving welfare benefits who refuse to work to the constitutional limit. The latest rhetorical escalation against a "part-time lifestyle" is also evidence of increasingly harsh tones. No more slacking off; those who don't work will face sanctions. However, when we ask ourselves how economic liberalism is gradually becoming more authoritarian, the analyses of critical theory seem increasingly relevant. In this tutorial, we will examine the relevance of the "racket theory" and the "continuity thesis" and investigate the transformation of the liberal state into an authoritarian state under the pressure of economic constraints.
Kontakt: Tim (s7079237[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Mittwochs, 16:15
Erste Sitzung: 29.04.
Raum: S1|02/34
Der Vater in der Moderne
In den gegenwärtigen gesellschaftlichen und politischen Debatten zum Geschlechterverhältnis gibt es eine fast unüberschaubare Menge von Ansichten und Meinungen darüber wie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen zu gestalten sei. Dabei fällt auf, dass kaum eine Position ohne die Verwendung des Begriffs Patriarchats auskommt. Dieser Begriff wird in den meisten Kontexten allerdings nur als Kampfbegriff oder Buzzword verwendet. Selten macht man sich die Mühe einer genauen Einordnung oder Beschreibung, gar einer Theorie oder historische Genealogie. Im Rahmen des Tutoriums möchten wir deshalb der Frage nachgehen, wie eine Reaktualisierung des Patriarchatsbegriffs unter dem Vorzeichen einer kritischen Gesellschaftstheorie aussehen kann. Dabei gehen wir von der recht trivial anmutenden aber gleichzeitig voraussetzungsreichen Annahme aus, dass der Begriff des Patriarchats auf die Rolle des Vaters verweist.
Kontakt: Johannes (s9189060[at]stud.uni-frankfurt.de)
Termin: Donnerstags, 14:25
Erste Sitzung: 30.04.
Raum: S1|02/344
Die neue Rechte und der Kampf um kulturelle Hegemonie
In einer Zeit wachsender politischer Polarisierung wird die Analyse der Strategien der Neuen Rechten immer relevanter. Das Autonome Tutorium „Die Neue Rechte und der Kampf um kulturelle Hegemonie: Antonio Gramscis Theorie als Schlüssel zum rechten Strategieverständnis“ beleuchtet, wie rechte Akteure politische Diskurse beeinflussen und unterwandern. Im Zentrum steht die Frage, wie Konzepte wie die Konstruktion von Feindbildern, die Etablierung eines Opfernarrativs und die sprachliche Enthemmung eingesetzt werden, um gesellschaftliche Machtverhältnisse zu verschieben und eine kulturelle Hegemonie zu errichten. Die Theorie von Antonio Gramsci dient dabei als Analysewerkzeug, um diese politischen Strategien zu entschlusseln und auf die moderne politische Landschaft anzuwenden. Das Tutorium soll eine tiefere Auseinandersetzung mit Gramscis Theorie ermöglichen und hiermit die Chance bieten, diese auf aktuelle Entwicklungen und Diskurse zu Übertragen sowie mögliche Gegenstrategien zu erarbeiten. Es ist eine Einladung, gemeinsam tiefer in die Verbindung von Kultur, Sprache und Politik einzutauchen und mögliche Gegenstrategien im Kontext rückläufiger demokratischer Systeme zu entwickeln.
The new right and the struggle for cultural hegemony
At a time of growing political polarisation, analysing the strategies of the New Right is becoming increasingly relevant. The Autonomous Tutorial ‘The New Right and the Struggle for Cultural Hegemony: Antonio Gramsci's Theory as the Key to Understanding Right-Wing Strategy’ will shed light on how right-wing actors influence and infiltrate political discourses. The focus is on the question of how concepts such as the construction of enemy images, the establishment of a victim narrative and linguistic disinhibition are used to shift social power relations and establish cultural hegemony.
Antonio Gramsci's theory serves as an analytical tool to decipher these political strategies and apply them to the modern political landscape. The tutorial is intended to enable a deeper examination of Gramsci's theory and thus offer the opportunity to transfer it to current developments and discourses and to develop possible counter-strategies. It is an invitation to delve deeper into the connection between culture, language and politics and to develop possible counter-strategies in the context of declining democratic systems.
Kontakt: Till (till.wuttke[at]yahoo.de)
Termin: Donnerstags, 14:25
Erste Sitzung: 30.04.
Raum: S1|02/331
Feministische Technikphilosophie
Was ist feministische Technikphilosophie? Warum spielt Feminismus eine Rolle in der Technikphilosophie? Mit diesem Tutorium möchten wir gemeinsam eine Annäherung an die Technikphilosophie aus verschiedenen feministischen Strömungen wagen. Wir möchten außerhalb des Drucks von Leistungsnachweisen unserem Interesse an dem Thema nachgehen. Die Auseinandersetzung mit den neueren Entwicklungen von Robotern und Künstlicher Intelligenz führen, unseres Erachtens nach, zwangsläufig zu einem feministischen Nachdenken über diese neuen Entwicklungen - Stichwort Sexroboter - aber auch schon vorher stellt sich die Frage warum die meißten KI-Chatbots weiblich gelesene Namen tragen. Verschiedene Strömungen von Cyborg Feminismus zu Technofeminismus möchten wir näher kennenlernen und verstehen. In erster Linie möchten wir einen ersten Einblick in die feministische Technikphilosophie gewinnen, daher setzen wir keine Vorkenntnisse voraus. Wir selbst beschäftigen uns auch das erste Mal eingehender mit diesen Fragen und möchten euch dazu einladen mit uns zu lesen und Neues zu lernen.
Kontakt: Isabel & Johanna (feministische.technikphilosophie[at]mail.de )
Termin: Donnerstags, 16:15
Erster Termin: 30.04.
Raum: S1|02/144
Arbeitszeitrechnung bei Marx
Positive Bemerkungen darüber, wie eine postkapitalistische Produktionsweise konkret aussehen könnte, sind in den zumeist rein negativ verbleibenden ökonomiekritischen Texten von Marx eine Seltenheit. Und auch jene Textstellen, wo alternative Produktionsverhältnisse angedeutet werden, bleiben vage. Das zeigt sich insbesondere an Marx' ambivalenten Bezug auf das Problem der „Arbeitszeitrechnung" als Grundprinzip der Planwirtschaft. In der Literatur steht die Arbeitszeitrechnung für eine alternative Produktions- und Distributionsform, in der die Arbeitenden ein „tatsächliches" Äquivalent – in Form von „Arbeitsscheinen" – für ihre geleistet Arbeit erhalten. Im Gegenteil zur Mehrwertproduktion, in welcher die Arbeitenden nur den zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendigen Teil des produzierten Gesamtwertes erhalten, soll die Arbeitszeitrechnung für eine "proportionale", also "gerechte" Produktion sorgen: Der individuelle Anteil an dem gesellschaftlichen Gesamtprodukt soll der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit entsprechen.
Je nach dem kann die Arbeitszeitrechnung bei Marx als Utopie („Verein freier Menschen"), Übergang („Erste Phase") oder Gegenstand der Kritik („inhärenter Widerspruch") interpretiert werden. In dem Tutorium wollen wir dieser Ambivalenz auf den Grund gehen: Welche Rolle spielte die Arbeitszeitrechnung für Marx? Um der Beantwortung dieser Frage näher zu kommen, wollen wir uns vor allem an Primärtexte von Marx wagen. Aber auch ausgewählte Schriften aus der Rezeptionsdebatte sollen einbezogen werden. Das Tutorium dient dabei nicht nur der Beantwortung philologischer Fragen zu Marx' Ökonomiekritik. Durch neue Publikationen ist die Debatte um die Rolle der Arbeitszeitrechnung in postkapitalistischen Gesellschaftsentwürfen wieder aufgegriffen worden. Zudem können wir durch die Beschäftigung mit der Arbeitszeitrechnung auch historische Probleme des "Realsozialismus" thematisieren – nicht zuletzt, weil die Arbeitszeitrechnung dort Eingang in praktizierte Planwirtschaften gefunden hat. Das Tutorium will an den theoretischen Voraussetzungen dieser Debatten ansetzen – der Ökonomiekritik von Marx. Das Ziel ist also eine Grundlagenreflektion, durch welche die historischen und gegenwärtigen Debatten besser eingeordnet werden können.
Kontakt: Finn (finn.goelitzer[at]stud.tu-darmstadt.de)
Termin: Donnerstags, 18:05
Erster Termin: 30.04.
S1|03/10
